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Der Austellungsraum im Netz

Eine wechselnde Präsentation meiner Arbeiten im virtuellen Raum – der medialen Bilderflut entgegen: eine bewusst begrenzte Auswahl von Abbildungen – unterschiedliche Themen, gegensätzliche Ausdrucksmittel und gedankliche Aspekte treffen auf kleinstem Raum aufeinander und stehen in Kontrast zueinander – eine Präsentation, die widerspiegelt, wie sich mir als Maler die Welt im Sehen vermitteln kann: gleichzeitig, überraschend, unerwartet.

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Sehen

Gestalt und Augenblick

„Das Kunstwerk ist nicht vorhersehbar.
Es muss sich verwirklichen, um seine Möglichkeit zu beweisen.“

Nicolás Gómez Dávila

Ein Bild verwirklicht sich, ein Bild entsteht.
In seinem Entstehen zeugt es vom Sehen und vom Erleben.
Mein künstlerisches Tun hat seinen Ursprung in dem, was mir mein Auge vermittelt. Aus dem, was mir das Sehen vermittelt, bezieht meine Arbeit ihre Themen. Die Gestaltung meiner Bilder findet ihren Rückhalt in eingehender Beobachtung der sichtbaren Wirklichkeit.

Ein unerwarteter Augenblick oder ein spontanes Erleben kann mir ein Thema vor Augen führen, das mir bemerkenswert erscheint: einen Augenblick, der mich in der Vorstellung nicht mehr loslässt, der mich künstlerisch reizt und für den ich einen Ausdruck finden will.

Eine Bildvorstellung kann unwillkürlich entstehen, durch ein plötzliches Erblicken, ohne Absicht. Dieses Erblicken ist der Moment, in dem die Gestaltung eines künstlerischen Themas ihren Ausgangspunkt haben kann.

Eine unmittelbar zu Papier gebrachte Skizze kann der Versuch sein, den Augenblick mit den Mitteln der Zeichnung oder mit den Mitteln der Malerei zu erfassen und ihm im Bild dauerhafte Lebendigkeit zu geben.

Im spontanen Erfassen einer Szene umreißt eine Linie eine Silhouette – vielleicht die eines Gebäudes, eines Baumes oder einer menschlichen Figur. Eine Waagerechte kann einen Horizont andeuten. Farbigkeit oder Schraffuren können die Wirkung von Licht und Schatten vermitteln und so Stimmung und Atmosphäre zum Ausdruck bringen.

Ein solcher flüchtiger Moment kann sich in einer Skizze niederschlagen.

In der Skizze kann der Moment anschaulich werden und dauerhaft lebendig erscheinen.
Indem ich im Atelier und vor der Natur arbeite, suche ich dem Augenblick Ausdruck, Anschaulichkeit und Dauer zu verleihen.

Die Anschaulichkeit des Bildes lässt den dargestellten Augenblick mit jeder Betrachtung aufs Neue in der Vorstellung unmittelbar präsent werden.
Die Anschaulichkeit des Bildes gibt dem Augenblick Dauer.

Linie und Fläche, Hell und Dunkel, das Warm und Kalt der Farbigkeit sind Gestaltungsmittel, die meiner künstlerischen Veranlagung entsprechen. Innerhalb der Grenzen dieser Mittel bin ich bestrebt, meinen Bildgedanken zu einer Form finden zu lassen, in der er anschaulich mitteilbar wird.

Die Grenzen eines Bildes, seine vier Seiten, geben dem Bild Umriss. Die vier Seiten versammeln, sie konzentrieren den Bildgedanken.

Sie gewähren dem Bild Abgrenzung von der Umgebung.

Im Erleben, das seinen Impuls durch das Sehen erhält, haben meine Bilder ihren Ursprung. Das Erleben ist subjektiv und es ist individuell.

Das Erleben ist aber vor allem eines: es ist unwillkürlich. Es lässt sich nicht beabsichtigen und es lässt sich nicht unterdrücken.

Meine Arbeit geht von einem Punkt aus, den sie durch ihren Ursprung, das Sehen und das Erleben, unwillkürlich einnimmt. Um diesen Punkt herum bahnt sich mein künstlerisches Tun in konzentrischen Kreisen einen Weg.

Betrachten wir das Bild von diesem Punkt aus.
Betrachten wir das Bild aus seinem Ursprung heraus.
Betrachten wir das Bild aus seinem Ursprung heraus, das heißt auch: das Bild in seiner Grundform zu betrachten, in der es sich verwirklicht: das Bild – eine Fläche – begrenzt durch vier Seiten, aufgespannt zwischen vier Ecken.

Was kann sich innerhalb dieser Grenzen ereignen, so dass die Form des Bildes immer wieder neu erfunden zu werden scheint, sobald das Sehen anschaulichen Ausdruck sucht!
Nähern wir uns dem Bild auf diejenige Weise, die seiner Anschaulichkeit gemäß ist: schauen wir es an.

Das Bild, ein Fenster zur Welt, in dem sich das Sehen konzentriert, in dem sich individuelles Erleben zur Anschauung verdichtet.

Leander Mergener

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Aspekt

Aus der Künstlerischen Praxis

Welche Aspekte kann das Bild haben?
Betrachten wir Themen, Begriffe und Fragen aus meiner unmittelbaren künstlerischen Praxis:
Wieso kann sowohl der ICE als auch ein Apfel Thema eines Bildes sein?
Was für Erscheinungen sind Umriss, Horizont oder Tisch?

Welche Gemeinsamkeit verbindet Pferd und Werft oder Blume und Elektrotechnik?
Was ist Gestalt, was ist Gestaltung?
Was ist das berühmte WIE im Bild? Und nicht zuletzt:

Was ereignet sich, wenn wir sehen?

Im Sehen begegnen wir.
Die Dinge, die uns entgegenstehen, nennen wir wortwörtlich Gegen-stände.
Den Dingen, die uns entgegenstehen, sehen wir uns gegenüber.

Im Bild, das den Gegenstand zur Anschauung bringt, begegnen wir diesem Gegenüber.
Wendet das Bild unseren Blick um, begegnen wir in diesem Gegenüber: uns selbst.

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Eins zu Eins

Begegnung mit dem Bild

Ein Bild mit einem Apfel zeigt einen Apfel.
Unser Blick fällt auf dieses Bild und wir sagen: ein Apfel. Wir reduzieren, was wir sehen, auf einen Begriff, auf ein einziges Wort. Schauen wir das Bild dann überhaupt an?

Erfasst nicht das Auge viel mehr als den bloßen Apfel? Erfasst nicht das Auge den Apfel als Teil eines größeren Ganzen, das aus vielen Elementen besteht? Das Auge erfasst das Ineinander von Farbigkeit, Zeichnung, Raum, Flächen. Das Sehen erfasst diese vielen Elemente als Einheit. Das Sehen isoliert nicht einzelne Gesichtspunkte, es reduziert nicht auf die Information: Apfel. Das Auge schaut und es erblickt immer ein Ganzes.

Ein Bild, das seinen Ursprung im Sehen hat, ist dazu bestimmt, angeschaut zu werden.

Sehen wir das Bild überhaupt wegen des Apfels an – oder was ist es, wodurch das Bild unseren Blick auf sich zieht und ihn festhält?

Was ist der Apfel auf dem Tisch – was ist der Apfel auf dem Bild? Zu beidem sagen wir Apfel – aber meinen Unterschiedliches. Wenn der Apfel Thema meines Bildes ist, male ich dann einen Apfel oder male ich ein Bild?

Was macht das Bild zum Bild?

Lassen Sie uns diese Fragen in der Ausstellungsreihe mit dem Titel EINS ZU EINS aufgreifen. In unmittelbarer Betrachtung, im EINS ZU EINS, im Gegenüber mit dem Bild.

Nähern wir uns dem Bild inmitten der Fragen, die es uns stellen kann, auf die Weise, die dem Bild entspricht, die seiner Anschaulichkeit gemäß ist: schauen wir es an.

„Denken“, sagt Goethe, „ist interessanter als wissen, aber nicht als anschauen“.

EINS ZU EINS – das ist der Titel einer Ausstellungsreihe, deren Idee aus der Rückschau auf viele erfrischend unkonventionelle und sehr persönliche Begegnungen in der Betrachtung meiner Arbeiten entstanden ist, sei es in meinen Ausstellungen, sei es vor Ort in Industriebetrieben oder vor Ort in der Landschaft – ganz auf das Bild fokussiert – Begegnungen EINS ZU EINS mit dem Bild.

Das Konzept der Reihe EINS ZU EINS besteht darin, dass eine bewusst begrenzte, wechselnde Auswahl von Bildern gezeigt wird. So werden Malerei, Zeichnung oder Graphik EINS ZU EINS zueinander in Beziehung stehen.

EINS ZU EINS – dies ist eine neuartige Form der Ausstellung, in der ich dazu einlade – so selbstverständlich das auch klingt – das Bild anzuschauen.

Begegnen wir dem Bild im unmittelbaren Gegenüber. Lassen wir das Bild auf das Sehen wirken, auf das Auge, nehmen wir es wahr, schauen wir es an.
Dieses unmittelbare Gegenüber – das ist Begegnung von Bild und Betrachter EINS ZU EINS.

Der Beginn der Ausstellungsreihe EINS ZU EINS ist für das Jahr 2020 geplant. Nähere Informationen senden wir Ihnen gerne zu.